Totenbeinchen am Molsberger Markt

ein Gebäck, das traditionell am Molsberger Markt gebacken wird, ist das „Totenbeinchen“.

Totenbeinchen fallen unter die sogenannten „Knaufgebäcke“ oder auch „Knochengebildbrote“, deren signifikante Zeichen zwei obere und untere Knäufe und die auffallende Verdickung in der Mitte seien. [1]

Als Gebildebrote werden Gebäcke bezeichnet, die zu bestimmten (religiösen und festlichen) Anlässen in bestimmten Formen gebacken werden. Teils sind sie als ehemalige Speiseopfer oder Symbole der Fruchtbarkeit zu sehen. Manche stammen aus der Antike (Totenkult) und wurden übernommen.[2]Die aus Teig geformten Backwaren formen Gestalten von Menschen, Heiligen, Fantasiegestalten, Tieren, Symbolen und Ornamenten. Die Brote werden zu Tagen geschenkt und gegessen, die zum Versinnbildlichen in Beziehung stehen. Die Gebildebrote/Gebildegebäcke symbolisieren Wünsche, das Fest, Gelübde, Opfer oder Beschwörungen. [3]

Insbesondere an Allerseelen waren es Zuwendungen für Arme, Mönche und Patenkinder. Otto Stückrath erwähnt das Totenbeinchen im Zusammenhang mit dem Leben in der nassauischen Dorfgemeinschaft. „Fast regelmäßig schließt ein Gebäck mit der Herstellung kleiner Gebildbrote, die in ihrer Gestaltung den Festzeiten folgen. Neben den dreieckigen »Scheeken« gibt es die aus Kuchenteig geformten Bubenschenkel und Totenbeinchen, die Jungfern und Hasen, die Reiter und Schößchen, die Apfelbrötchen und Plätzchen, und da diese Gebildbrote selten nur für den eigenen Bedarf, sondern vor allem auch zum Verschenken an die wartende Kinderwelt des Dorfes bestimmt sind, so mündet die Arbeit am gemeinschaftlichen Backhaus, die unter dem Zeichen der Einordnung in eine selbstgewählte Form der Reihenfolge in der Betätigung begann, ein in ein schenkendes Geben an diejenigen, die in der Zukunft wieder die dörfliche Gemeinschaft zu bilden berufen sind.“[4]

Das Gebäck „Totenbeinchen“ ist weiter verbreitet, als man zunächst denkt. Im Engadin und in Zürich kennt man es als Nachtischgebäck. In der romanischen Schweiz backt man diese zu Allerseelen. Im Raum Koblenz buk man sie ebenso (Totenbeinchen, Bubenschenkel).[5] In Brentanos Märchen von „Gockel, Hinkel und Gackeleia“ wünscht sich die Frau des Mäusekönigs neben anderen Spezialitäten „Koblenzer Totenbeinchen“.[6]

Das niederländische Bäckereimuseum kennt auch das Totenbeinchen:

In Duitsland en Zwitserland wordt dit sierbrood volgens de folklorist Nannings Schienbeinchen of Totenbeinchen genoemd.”[7]

Weitere Hinweise zur Bedeutung von Knochengebildbrote finden sich hier:

http://books.google.de/books?id=273dX4-VRJAC&pg=RA1-PA287&dq=totenbeinchen+geb%C3%A4ck&hl=de&sa=X&ei=u39WUvH2DMPUtQa4koFo&ved=0CDQQ6AEwAA#v=onepage&q=totenbeinchen%20geb%C3%A4ck&f=false

Verf. Richard Kremer

 [1]vgl. Hoffmann-Grayer,Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, 1974, S. 1568.

[2]Josef Höfer, Karl Rahner, Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg 1986, Bd.4, S. 557

[3]vgl. Becker-Huberti, Lexikon der Bräuche und Feste., Freiburg 2000, S. 132.

[4]Otto Stückrath, Aus dem Leben der Dorfgemeinschaft Nassau, in: Leo Sternberg(Hrsg.), Land Nassau Kapitel 123, Leipzig 1927; zitiert in: http://gutenberg.spiegel.de/buch/land-nassau-7001/123 14.04.2015

[5]vgl. Hoffmann-Grayer, S. 1569.

[6]Clemens Brentano wurde 1778 in Ehrenbreitstein geboren und schrieb das Märchen um 1838

[7]http://www.bakkerijmuseum.nl/kalwiblo/index.php?t=4&h=44&s=102;

http://archive-nl.com/page/954905/2012-12-13/http://www.streekrecepten.nl/streekrecepten-noord-holland-01.html