KIRMES IN MOLSBERG – Allgemeine Informationen – BRAUCHTUM

Bild: Auszug aus dem Kolpingkalender – 50 Jahre Kolpingsfamilie Molsberg – 2007

Das Wort Kirmes geht auf das mittelhochdeutsche kirmesse zurück, das aus kirchmesse entstanden ist. „Dieses Wort bezeichnet zunächst die Messe zur Einweihung einer Kirche, die ein Gebäude zu einem heiligen Ort macht, sodann das jährliche Erinnerungsfest daran und schließlich- unter Bezug auf die damit verbundenen weltlichen Feiern – den Jahrmarkt und das Volksfest.“[1]Auch der Gedenktag des Kirchenpatrons bot Gelegenheit zu Fest und Feier. Durch die Weihe der Kirche (dedicatio) wird das Kirchengebäude zu einem heiligen Ort. Diese wird durch einen Bischof konsekriert oder durch eine Delegation an einen Priester, die Benediktion. Es muss ein Hochaltar oder zumindest ein Nebenaltar geweiht werden. Die Kirchweihe kann an jedem Tag stattfinden, sollte jedoch in der Regel an einem Sonntag oder Feiertag vorgenommen werden. [2]
Im Jahr 1493 wird in der damaligen Burg Molsberg erstmals eine Kapelle erwähnt, die dem heiligen Pankratius[3]geweiht war. Jedoch dürften die Wurzeln kirchlichen Lebens weiter zurückreichen. Die Edelfreien von Molsberg hatten schon eigene Kapläne. 1267 wird ein Matthias genannt, dem noch im selben Jahr ein Konrad folgte.[4]
Mit dem Rechnungsbuch von Johann Philipp von Walderdorff (1620-1689) erhalten wir einen Hinweis auf die Molsberger Kirmes. „Schon im ersten Jahr der Walderdorffer Herrschaft auf der Burg Molsberg – 1658 – gibt es Anzeichen dafür. An Pfingsten war der Pastor zu Salz in Molsberg festlich bewirtet worden, dabei sparte man nicht an Wein und Braten. Seit 1667 sind regelmäßig größere Ausgaben für Wein an Pfingstmontag überliefert, 1669 ausdrücklich für „Kyrmeß“. Auch ein Jahrmarkt wird in diesem Zusammenhang erwähnt. Der Wein und die ebenfalls genannten geschlachteten Kälber dienten der Bewirtung der Gäste und des Gesindes. Zu den Gästen gehörten auch die Hadamarer Jesuiten, die der Archidiakon zu Aushilfen in die Schloßkapelle bat.“ [5]Kloft schildert auch das gottesdienstliche Leben um 1900. Zu Pfingsten „wurde ein Hochamt mit mit Predigt gefeiert, nachmittags eine Andacht zum Hl. Geist. Der Pfingstmontag schließlich war feierliche Kirchweih mit Messe um 6:00 Uhr und Prozession und Hochamt um 9:30 Uhr, das vom Pfarrer von Salz zu halten war. Die Predigt hatte ein auswärtiger Prediger zu halten.“[6]
Früher wurde oft eine ganze Woche gefeiert. Heute ist der Rest eines Wochenendes geblieben. In den Dörfern war Kirmes einer der Termine, an denen die ganze Familie und die weitere Verwandtschaft sich zusammenfanden. Das Kirmesgeld, ursprünglich dem Gesinde ausgezahlt, erhielten später die Kinder, um Karussell und Süßigkeiten bezahlen zu können. Für die Jugendlichen beiderlei Geschlechts ergab sich die Möglichkeit des gegenseitigen Kennenlernens, während die Erwachsenen Ruhe und Genuss sowie Geschäftsverbindungen pflegten und die Gelegenheit zum Repräsentieren nutzten. [7]
Gottesdienst. Totengedenken, Essen und Trinken, Musik und Tanz prägten das Geschehen an Kirmes. Festzüge durch die Gemeinde und der Tanz unter dem Kirmesbaum sind weit verbreitet. Der Kirmesbaum, oft auch Maibaum genannt, war meist eine Fichte oder Tanne, die am Kirmessamstag von der Jugend geschlagen, und bis auf die Wipfel entastet wurde. Er wurde mit einem Kranz und mit Bändern geschmückt.
Die Kirmestage im Westerwald aber auch andernorts waren leider auch dafür berüchtigt, das – auch in Folge des übermäßigen Alkoholgenusses – oft Rivalitäten benachbarter Dörfer ausgetragen wurden, bei denen Raufereien und Schlägereien an der Tagesordnung waren.[8]
Verf.:RK

[1]Manfred Becker-Huberti, Lexikon der Bräuche und Feste, Freiburg 2000, S. 202
[2] Vgl. Josef Höfer,/KarlRahner (Hrsg.), Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg 1961, Bd. 6, S 302- 305
[3]Pankratius Gedenktag 12. Mai Märtyrer und einer der sogenannten „Eisheiligen“,soll nach der Legende um 289 n. Chr. in Phrygien geboren sein. Um 304 n. Chr. wurde er während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian wegen seines Glauben hingerichtet. Als Schutzherr der Ritter war er bereits Patron der Burgkapelle. Er wurde schon früh als Märtyrer verehrt. Eine Reliquie befindet sich in der Schloßkapelle Molsberg. Vgl. Matthias Kloft, Geschichte der Schloßkapelle von Molsberg, in: Emanuel Walderdorff (Hrsg.), 500 Jahre Burg- und Schlokapelle Molsberg 1493 bis 1993, Regensburg 1993, S. 17. Siehe auch: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienP/Pankratius.htm
[4]Vgl. Matthias Kloft, Geschichte der Schloßkapelle von Molsberg, S. 5
[5]Matthias Kloft, Geschichte der Schloßkapelle von Molsberg, S. 8
[6]Matthias Kloft, Geschichte der Schloßkapelle, S. 14
[7]Vgl. Manfed Becker-Huberti, S. 202 f.
[8]Hiervon zeugt auch die 3. Strophe des Liedes „Oh du schöner Westerwald“ – „Ist das Tanzen dann vorbei, gibt´s gewöhnlich Keilerei. Und denBursch den das nicht freut, ja man sagt, der hat kein Schneid“.“