Steinkistengrab in Niederzeuzheim. Film von Jona Pursch (6) am 8.Mai 2020

Das Steinkistengrab Hadamar-Niederzeuzheim

Das Steinkammergrab von Niederzeuzheim bei Hadamar gehört zu den Megalithgräbern der späten Jungsteinzeit (3800-2800 v. Chr.) und ist typisch für die Epoche. Die Wände sind aus senkrecht aufgerichteten Steinplatten, auf die große Decksteine aus Basalt kammerartig aufgelegt sind. Die noch vorhandenen Ritzen verschloss man mit kleineren Steinen, die auch den Boden pflasterten. Nur noch einer der großen Decksteine ist heute vorhanden. Das Grab hatte die Ausmaße von 6,6 m Länge und 2,5 m Breite. Es fasste ca. 100 Bestattungen.

In der Jungsteinzeit fanden Kollektivbestattungen statt. Die Toten wurden durch ein Loch in der Türplatte hindurchgeschoben und in der Grabkammer niedergelegt. Sie lagen mit dem Kopf zum Türlochstein oder „Seelenloch“, das in Richtung der Siedlung zeigte. Man vermutet, dass so die Verbindung der Toten zum Heimatort gegeben war. Oft wurden auch Grabbeigaben hinzugefügt (tönerne Gefäße, Äxte, Perlen, Zähne von Tieren…)

Trotz vorausgegangener Plünderung um 1800 konnten 1911 bei der Graböffnung noch einige Knochen gefunden werden. 1954 erfolgte eine genaue Dokumentation. Das Fundmaterial belief sich auf drei Steinbeile und einige Knochen von 23 bestatteten Erwachsenen und zwei Kindern. Scherben aus der Keltenzeit, dem Mittelalter und napoleonische Waffenteile stammten aus späteren Grabstörungen.

Der Flurname „Hohler Stein“, sowie eine alte Sage, die von einem geheimen Stollen zur benachbarten Dornburg berichtet, lassen darauf schließen, dass die Stelle lange bekannt war.

2004 wurde die Anlage wieder rekonstruiert.